Starke und einseitige Kopfschmerzen: Was steckt dahinter?

Kopfschmerzen hatte wohl fast jeder von uns schon einmal: Mal treten sie mit einem leichten Pochen an der Schläfe auf, ein anderes Mal sind sie eher dröhnend über den gesamten Schädel verteilt. Doch haben Sie schon einmal unter starken, einseitigen Kopfschmerzen gelitten und sich gefragt, ob das nicht eine Migräne sein könnte? Hier erfahren Sie, was hinter solchen Beschwerden stecken kann und wie Sie künftig den Unterschied zwischen Migräne und Kopfschmerzen erkennen.

Junge Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht: Sie klagt über starke Kopfschmerzen.

Wissenswertes zur Intensität von Kopfschmerzen

Leicht, mittel oder stark – geht es um Kopfschmerzen, variieren die Empfindungen von Mensch zu Mensch. Das liegt einerseits daran, dass wir Schmerzen unterschiedlich wahrnehmen. Verantwortlich für den Vorgang des Schmerzprozesses sind die Rezeptoren des Nervensystems. Die ausgelösten Signale werden dann vom zentralen Nervensystem interpretiert und verarbeitet – der Schmerz wird so ganz subjektiv empfunden. Dabei kann die Schmerzskala von gering (lästig, aber auszuhalten) über mittelstark (der Schmerz lässt sich nur für kurze Zeit ignorieren) bis hin zu intensiv (körperliche Aktivitäten sind stark eingeschränkt) reichen.

Andererseits ist die Intensität auch von den verschiedenen Kopfschmerzarten abhängig. Die häufigste Form sind Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Diese charakterisieren sich meist durch leichte bis mittelstarke Beschwerden, deren Intensität sich im Verlauf steigern kann. Dem gegenüber können mäßig bis starke Kopfschmerzen, die immer wieder und einseitig auftreten, für eine Migräne oder auch Clusterkopfschmerzen sprechen.

Den Kopfschmerz zweifelsfrei zu charakterisieren, ist sehr schwierig und bringt durchaus auch Ärzte an ihre Grenzen. Doch es gibt einige Merkmale, die es erleichtern, starke Kopfschmerzen richtig einzuordnen.

Migräne oder andere Kopfschmerzen: Wo ist der Unterschied?

Treten starke Kopfschmerzen nicht zum ersten Mal auf, sind sich Betroffene unsicher, ob es sich noch um normales Kopfweh oder bereits um Migräne handelt. Dabei ist es durchaus möglich, diese beiden Formen auseinanderzuhalten. So treten die starken Schmerzen bei einer Migräne, die Betroffene oftmals als pulsierend oder stechend beschreiben, in der Regel nur einseitig auf. Ein weiteres Merkmal von Migräne ist die Verstärkung der Kopfschmerzen unter Bewegung. Schon allein das Gehen oder Treppensteigen reicht hier oft aus, um den Schmerz zu verschlimmern.

Im Unterschied zu den übrigen Kopfschmerz-Formen plagen Migräne-Patienten außerdem typischerweise weitere Beschwerden, wie:

  • Lichtempfindlichkeit
  • Lärmempfindlichkeit
  • Übelkeit
  • Erbrechen

Im Verlauf einer Migräne-Attacke können bei einigen Patienten zusätzlich Sehstörungen, Taubheits- oder Kribbelgefühle in Armen oder Beinen oder auch Sprachstörungen auftreten. Diese sogenannte Aura kann bis zu 60 Minuten anhalten.

 
Zusammengefasst: Diese Hinweise sprechen gegen eine Migräne
  • Der Kopfschmerz ist eher dumpf statt pochend und im gesamten Kopf spürbar.
  • Es treten keine weiteren Symptome wie Übelkeit oder Erbrechen auf.

Bewegung bringt keine Verschlimmerung der Beschwerden mit sich oder verbessert den Kopfschmerz sogar.

Starke Kopfschmerzen können für Cluster-Kopfschmerzen sprechen

Hinter starken, einseitigen Kopfschmerzen muss nicht zwangsläufig eine Migräne stecken. Ähnliche Symptome treten bei Cluster-Kopfschmerzen auf . Allerdings sind die Beschwerden dabei meist deutlich intensiver. Die heftigen, einseitig auftretenden Kopfschmerzen sind hier vor allem im Bereich der Augen, Stirn und Schläfen vorzufinden. Cluster-Kopfschmerzen zeichnen sich durch regelmäßige Wiederholung aus. Während einer Schmerzperiode können die Attacken zwischen ein- und achtmal täglich vorkommen, vor allem nachts.1 Im Anschluss daran folgt häufig eine mehrmonatige beschwerdefreie Phase.

Die einseitigen, extrem starken Kopfschmerzen kommen allerdings selten allein, so sind beispielsweise folgende Begleiterscheinungen möglich:

  • gerötete Augen
  • tränende Augen
  • ein hängendes Augenlid
  • verstopfte oder laufende Nase
  • körperliche Unruhe mit Bewegungsdrang
  • Stirn- oder Gesichtsschwitzen

Die Diagnose erfordert mindestens eines der genannten Symptome. Der Anteil der Männer unter den Patienten mit Clusterkopfschmerz liegt zwischen 70 Prozent und 90 Prozent.2 Ob es sich also um Cluster-Kopfschmerzen, Migräne oder „normale“ Kopfschmerzen handelt, kann nur ein Arzt feststellen. Zögern Sie daher nicht und suchen Sie sich ärztliche Unterstützung.

Zusammengefasst: Diese Hinweise sprechen gegen Clusterkopfschmerzen
  • Der Kopfschmerz ist nicht auf einen bestimmten Bereich beschränkt, sondern im gesamten Kopf wahrnehmbar.
  • Die Symptome kommen nicht regelmäßig und gehäuft vor.

Es treten keine weiteren Beschwerden wie tränende, gerötete Augen oder körperliche Unruhe auf.

Zum Arzt bei starken Kopfschmerzen?

Während Betroffene mit leichten und unregelmäßig auftretenden Kopfschmerzen kaum zum Arzt gehen, ist bei starken und einseitigen Beschwerden durchaus ein Besuch angeraten. Der Arzt kann gemäß des Krankenbilds eine genaue Diagnose stellen und herausfinden, welcher Kopfschmerztyp dahintersteckt. Auf diese Weise lässt sich eine individuelle Therapie angehen. Erster Ansprechpartner ist in solchen Fällen der Hausarzt, der Patienten bei Bedarf an einen Neurologen übermittelt.


1Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: Medikamente gegen Clusterkopfschmerzen. URL: http://www.dmkg.de/patienten/medikamente-gegen-clusterkopfschmerzen.html (26.10.2018)

2Schmerzklinik Kiel: Was ist Clusterkopfschmerz?. URL: http://www.schmerzklinik.de/service-fuer-patienten/clusterkopfschmerz-wissen/was-ist-clusterkopfschmerz/ (05.12.2018)