Fakir-Gen blockiert Schmerzen

Warum Schmerzen ein wichtiges Warnsignal sind und wie sie richtig behandelt werden

Ashlyn weint nicht, wenn sie hingefallen ist, schreit nicht, wenn sie in eine Scherbe tritt und braucht beim Zahnarztbesuch keine Betäubung. Die 11-jährige Amerikanerin ist seit ihrer Geburt schmerzunempfindlich. Was zunächst positiv anmutet, ist bei genauerer Betrachtung lebensgefährlich, denn Schmerzen sind ein wichtiges Warnsignal des Körpers. Die Forschung liefert noch heute neue Erkenntnisse darüber, wie genau Schmerz funktioniert. Die jüngste Entdeckung: Wissenschaftler der Universität Florida fanden Genmutationen, die die Übertragung der Schmerzsignale ins Gehirn beeinflussen.

Gen verantwortlich für Schmerzempfinden

Schmerzunempfindlichkeit ist eine sehr seltene Krankheit. Menschen, die davon betroffen sind, leben in ständiger Gefahr sich versehentlich zu verletzen oder Erkrankungen wie eine Blinddarmentzündung zu spät zu bemerken. Die meisten sterben jung. Forscher fanden nun heraus, warum es dazu kommt: Die individuelle Schmerzwahrnehmung wird durch das Gen „SCN9A" beeinflusst. Mutiert es zum sogenannten „Fakir-Gen", spüren die Betroffenen keine Schmerzen. Durch die Veränderung des Erbguts werden entweder gar keine Schmerzrezeptoren gebildet oder der Schmerzreiz wird nicht ins Gehirn weitergeleitet. Biologisch betrachtet sind Schmerzen aber sinnvoll, denn sie warnen vor Schäden. Diese Warnfunktion geht verloren, wenn sich durch wiederholte Schmerzreize ein Schmerzgedächtnis bildet und der Schmerz auch dann fortbesteht, wenn seine Ursache längst beseitigt ist.

Moderne Schmerzbehandlung

„Um Schmerzen optimal behandeln zu können, ist es elementar zu entschlüsseln, wie die Schmerzsignale ins Gehirn übertragen werden", so Professor Dr. Jens Kuhn. Die Forschung deckt zunehmend auf, wie die übermäßige Schmerzempfindlichkeit auf einen Reiz und die Schmerzlinderung funktionieren: „Starke, immer wiederkehrende oder länger andauernde Schmerzen können zur Ausbildung eines Schmerzgedächtnis führen", erklärt der Neurologe und Psychiater an der Universitätsklinik Köln. Die Folge: Der Schmerz wird chronisch und hat damit seine Warnfunktion verloren. Damit es gar nicht so weit kommt, sollten akute Schmerzen ernst genommen und behandelt werden. Dabei gehört der Aspirin-Wirkstoff, Acetylsalicylsäure, zu den wichtigsten rezeptfrei verfügbaren Substanzen.

Granulat gegen Schmerzen

Ähnlich bedeutend wie der Wirkstoff, ist die Galenik, also die Zubereitung des Arzneimittels. Bei einem Schmerzmittel zählt vor allem die Schnelligkeit. Deshalb entwickelte Bayer mit Aspirin Effect ein Granulat, das den Wirkstoff 30 Prozent schneller freisetzt als eine herkömmliche Schlucktablette. Wie das funktioniert, beschreibt Dr. Reinhard Walter, Entwicklungsgaleniker bei Bayer: „Das Mikrogranulat löst sich bereits im Mund auf, so dass der Wirkstoff gelöst in den Magen gelangt und schneller vom Körper aufgenommen wird." Experten empfehlen bei der Schmerzbehandlung mehrstufig vorzugehen. Dabei gilt der Grundsatz: Medikamente verantwortungsvoll einsetzen und durch unterstützende Maßnahmen wie regelmäßige Bewegung, Stressabbau und Entspannung ergänzen.

 

Quellen:
(1) Staud, R et al: Two novel mutations of SCN9A (Nav1.7) are associated with partial congenital insensitivity to pain. In: European Journal of Pain (2011): Volume 15, Issue 3: S. 223-230.
(2) Woods, G et al: An SCN9A channelopathy causes congenital inability to experience pain. In: Nature 444 (2006): doi: 10.1038/nature05413: S. 894-898.
(3) Gardiner, M et al: SCN9A Mutations in Paroxysmal Extreme Pain Disorder: Allelic Variants Underlie Distinct Channel Defects and Phenotypes. In: Neuron (2006): Band 52, Issue 5: S. 743-749.

 

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